«Ein Menschenleben reicht wohl nicht aus, um ein Instrument in allen Stilen und Facetten auskosten zu können. Der Weg ist das Ziel.» Was sich wie ein Orakelspruch liest, ist die Philosophie von Andreas «Zäppu» Grossniklaus; die Philosophie, die hinter dem Unisono steckt und aus einem Traum in 14 Jahren die grösste private Musikschule der Region Thun werden liess.
Von Marco Zysset. Aktualisiert am 29.09.2009
1995 mit drei Schülern gegründet, ist das Unisono in Steffisburg heute die grösste private Musikschule der Region Thun. Der Laden im Keller eines Mehrfamilienhauses hat in 14 Jahren schweizweit Musikgeschichte geschrieben.

Die Eröffnung des Unisonos in Steffisburg: rechts Inhaber Zäppu, links von ihm Frau Monika mit Tochter Marina sowie drei damalige Mitarbeiter. Bild: zvg
«Ein Menschenleben reicht wohl nicht aus, um ein Instrument in allen Stilen und Facetten auskosten zu können. Der Weg ist das Ziel.» Was sich wie ein Orakelspruch liest, ist die Philosophie von Andreas «Zäppu» Grossniklaus; die Philosophie, die hinter dem Unisono steckt und aus einem Traum in 14 Jahren die grösste private Musikschule der Region Thun werden liess.
Drei Schüler zum StartZusammen mit seiner Frau Monika und Tochter Marina hat Grossniklaus am 3.Juni 1995 angefangen. «Das Startkapital waren drei private Schüler und Tausende guter Ideen», blickt Zäppu zurück. Heute sind es dreizehn Lehrer für Gitarre und Keyboard oder Klavier und gegen zweihundert Schüler - plus Warteliste.
«Um das Unisono hat sich ein richtiges Netzwerk gebildet. Aus Kunden wurden Freunde und umgekehrt», berichtet der Patron. Seit je ist der Laden bekannt für familiäre Atmosphäre. Bevors um Verhandeln, Lernen oder Geschäften geht, wird Kaffee angeboten, «Tschou» ist die Regel.Einst Lehrer, heute StarsDie Liste der aktuellen und ehemaligen Lehrer zeigt, warum der Slogan «Unisono - die Talentschmiede» kein Bluff, sondern Wahrheit ist. Aus Lehrern wurden Stars, aus ihren Schülern wurden selber Lehrer. Gitarrist Toni Sieber etwa, der heute Filmsound bis in die USA liefert; oder Zlatko «Slädu» Perica, der nach dem Abschluss des Guitar Institute of Technology in L.A. mit den deutschen Sphärenrockern Tangerine Dream Anfang der 90er durch die USA tourte, mit Gölä Geschichte schrieb und heute mit Bligg unterwegs ist. Ebenfalls bei Gölä war Keyboarder TJ Gyger an Bord - heute musikalischer Leiter bei DJ Bobo.
Ohne Unisono kein Gölä?Göläs Erfolge wären übrigens ohne Zäppu kaum möglich gewesen: Er hat mehr als die Hälfte der Instrumente zur Verfügung gestellt, die Gölä und seine Band zum Einspielen des ersten Albums «Uf u dervo» benutzten. Ein Album, das neue Massstäbe für Plattenverkäufe von Schweizer Künstlern im eigenen Land setzte. Aber auch Stefan Schroff (u.a. Sandee, Felskinn), Andreas Sigrist (u.a. DJ Bobo, Aextra) und viele mehr arbeiteten einst, oder immer noch, als Lehrer im Steffisburger Musikladen und sind heute bekannte Grössen in der Schweizer Musikszene. Einer der wohl berühmtesten Kunden des Unisonos ist Kevin Oesch von Oesch's die Dritten.

239 Gitarristen spielten am 6.Juni 1998 in Höfen gemeinsam einen Blues - und schafften so den Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde. (Bild: Bruno Stüdle)
Der Weltrekord in Höfen. Einer breiteren Öffentlichkeit bekannt wurde das Unisono am 6. Juni 1998: Damals organisierte Zäppus Crew in der Hohlinden ob Höfen ein Blueskonzert, bei dem 239 Gitarristen gleichzeitig in die Saiten griffen. Damit schafften sie den Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde. Aber auch an Gewerbeausstellungen mit Nachwuchsbandcontests oder mit der Organisation der legendären Gölä-Show 2000 in der Steffisburger AMP-Halle - Unisono bewegt.
So auch, als Zäppu 1999 den Förderverein Fortissimo mitbegründete, in der Hoffnung, mit etwas Druck von unten kämen die oben in der Gemeinde auf die Idee, dass es sinnvoll wäre, vergleichbare Institutionen zu unterstützen. Als das Projekt aber bald wieder erlosch, bewarb sich der Hansdampf in allen Musikgassen als Jugendarbeiter bei der Gemeinde.....
Schweizweit bekannt. Mittlerweile bewegt der Musikkeller, der über die Jahre vom CD-Laden zu Gitarrenklinik, Talentschmiede und Szenetreffpunkt geworden ist, in der ganzen Schweiz. Vom 21.Oktober 2005 bis am 30.April 2006 war der Laden im Museum für Kommunikation in Bern präsent, anlässlich der Ausstellung «Stromgitarren - Legenden, Lärm, Leidenschaft» zum 70-Jahr-Jubiläum der elektrischen Gitarre. «Da entstanden Kontakte, die heute noch halten. Es sind wieder neue Kundenbeziehungen und ganz viele Freundschaften gewachsen», freut sich Zäppu.
Auch bei der «Night of the Guitars», die im Rahmen dieser Ausstellung erstmals stattfand, wirkt das Unisono-Team vor und hinter den Kulissen tatkräftig mit. Dabei vergisst Zäppu nie jene, die erst gerade damit anfangen, davon zu träumen, ein grosser Gitarrist zu werden: «Wir suchen immer Occasionen - Gitarren oder Verstärker - für Einsteiger, die kein Budget haben.»
Traum vom Schulhaus 2004 konnten zwar Musikladen und -schule am Sunneggweg 1 zusätzliche Räumlichkeiten beziehen, doch seit einer Weile platzt das Geschäft wieder aus allen Nähten. Seit längerem ist Zäppu in Anbetracht dieses steten Wachstums auf der Suche nach einem grösseren Haus. Sein jüngstes Objekt der Begierde: das Schulhaus an der Bernstrasse, das in absehbarer Zeit frei werden könnte. «Grosse Räume, genügend Platz, direkt an der Bushaltestelle - und erst noch genügend Parkplätze. Das wäre perfekt», schwärmt er. Schliesslich träumt er auch davon, zusätzlich zu Reparaturwerkstätte, Gitarren- und Occasionsladen sowie Musikschule noch ein Bistro, eine Art Kulturcafé mit Livebühne, eröffnen zu können, wo die Schüler ausserhalb des Unterrichts das Gelernte anwenden könnten.
Thuner Tagblatt / Marco Zysset
Unisono‘s Zäppu hat nicht nur eine der freundlichsten und sympathischsten Musikschulen und Musikläden. Er ist über viele Jahre auch ein guter Freund und Förderer mit positivem Geist geblieben.
Bassspieler bei Gigi Moto und Vera Kaa