Seit rund zehn Tagen ist der Spuk vorbei: Fernseh-Deutschland hat nach mehrmonatiger Suche endlich seinen neuen Superstar gefunden, einen bis vor kurzem und spätestens in wenigen Jahren wiederum unbekannten 22-Jährigen namens Daniel Schuhmacher. Bereits zum sechsten Mal casteten Dieter Bohlen und Co. den Medienheld und dennoch werden mit jeder neuen Staffel der RTL-Show „Deutschland sucht den Superstar" scheinbar neue Superlative bedient. Klar: Wer der Sendung nichts abgewinnt, ist nicht verpflichtet, auch nur ein einziges Mal einzuschalten. Doch selbst auf qualitativ überdurchschnittlichen News-Portalen im Internet wird jeder Boulevard-Pieps der Möchtegern-Sternchen herumgereicht und so zum Hype emporstilisiert. Um dem Superstar-Wahn zu entfliehen, muss man ihm schon aktiv ausweichen.
Immerhin - und das müssen wir den Deutschen als positiv anrechnen - sucht unser nördliches Nachbarland explizit nach einem Superstar und nicht nach einem „MusicStar" wie die Schweizer. Die Musik hat nämlich auch hierzulande meist nur zweite Priorität. Anders liesse sich das hochgeschaukelte Theater zwischen Roman Kilchsperger und einem der Star-Aspiranten in der letzten Staffel von „MusicStar" nicht erklären. Die Show und das Drum-Herum sind wichtiger als der Sound selbst. Zwar hat sich das Schweizer Fernsehen in den vergangenen Jahren teilweise davon entfernt, die Kandidaten zu Halb-Playback auftreten zu lassen. Die Zweifel, ob Carmen Fenk und Co. tatsächlich nur musikalische Absichten verfolgten, bleiben trotzdem. Denn wem die Musik wirklich am Herzen liegt, fängt klein an und klopft nicht gleich beim Fernsehen an.
Diese schmerzhafte Erfahrung machte auch Salome Clausen, Gewinnerin der zweiten „MusicStar"-Staffel. Als die Walliserin wenige Monate nach ihrem Erfolg für einen Auftritt an ihrem „Heim-Openair" Gampel im Gespräch war, machten ihr die Organisatoren einen Strich durch die Rechnung. Salome passte nicht ins Konzept und sang live wohl zu schlecht, als dass es für ein Engagement gereicht hätte. Nicht alle Töne zu treffen, wäre allerdings keine Neubeobachtung an einem Schweizer Festival. Vielmehr liegt der Verdacht nahe, dass Salome den Veranstaltern zu wenig echt war. Die allermeisten Künstler, die auf Openair-Bühnen stehen, haben sich ihre Sporen abverdient und sich von kleinen Club-Gigs nach oben gearbeitet. Sie haben eine Entwicklung durchgemacht, erlebten womöglich Rückschläge und hatten sicher keinen „Von 0 auf 100"-Bonus wie die TV-Casting-Stars. Diese Authentizität können Festivalbesucher hören, manchmal vielleicht sogar spüren. Denn der Sound ist bei diesen Künstlern sicher wichtiger als die Show.
„Zäppu“ – ein Begriff für alle, die mit Musik, Instrumenten und dem gesamten Drumherum zu tun haben. Zäppu ist mehr als das, er ist der Backbone für Dutzende von lernbegierigen Jungtalenten, exzellenten Musikartisten aus der einheimischen Champions League, Alt-Rockern der ersten Stunde, und und und. Unisono = Einklang, der Name ist Programm und das passt!
Gitarrist bei den Berner Mundartrockern "Span"